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05.05.2007, Bericht aus der "Allgemeinen Zeitung Bingen"

 

Neue Farbe für ältesten Teil der Burg
Historische Küche im Romantik-Schloss saniert / Original Ofentürchen aus Thüringen

 

TRECHTINGSHAUSEN Mit der offiziellen Einweihung der historischen Burgküche kann das Romantik-Schloss "Burg Rheinstein" am Tor zum Unesco-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal mit einem weiteren touristischen Anziehungspunkt glänzen.

 

Von
Trudel Franz


Noch nie zuvor hatte die Öffentlichkeit die Möglichkeit, einen Blick in die Küche oder gar in die angegliederte Speckkammer zu werfen.
Burgherr Markus Hecher begrüßte jetzt in seiner neuen großen Küche, dem nachweislich ältesten Bereich der Burg - Gerüsthölzer verweisen auf das Jahr 1316 - Verantwortliche der Denkmalpflege, Architekten und Mitglieder des Förderkreises. In seinen Ausführungen verwies der Burgherr auf das Jahr 1825, als Burg Rheinstein als erste romantische Burg im Mittelrheintal durch die Preußische Prinzenfamilie wieder aufgebaut wurde. Eine Burgküche, die die Prinzenfamilie und ihre Gäste versorgte, wurde bei diesem Bauvorhaben mit realisiert. Bis 1914 wurde sie genutzt und diente jedoch bis zum Jahre 2006 nur noch als Lagerplatz und Abstellkammer.
Im Jahre 1976 hatte Seniorchef Hermann Hecher in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege ein Sanierungskonzept aufgestellt, das seit 1990 maßgebend von Dr. Joachim Glatz, dem Leiter der Denkmalpflege, betreut wird. Er strahlt und sagt begeistert: "Wenn eine Planung auf so große Resonanz und Begeisterung vor Ort trifft, dann ist unser Konzept aufgegangen, die Burg ist wieder ein Stück erlebbarer geworden."
Mitglieder des Förderkreises der Freunde der Burg Rheinstein hatten von Sommer bis Winter des vergangenen Jahres verputzt und weiße Kalkfarbe aufgetragen. Sie befreiten den schweren Eichenbauernschrank von mehreren Lackschichten und veredelten ihn wieder mit Bienenwachs. Das Schmuckstück der Küche ist der große Herd mit seinem gewaltigen Rauchfang. Ofenbauer und Fliesenmeister Michael Choquet hat nach Recherchen auf Burg Stolzenfels einen funktionstüchtigen Ofen nachgebaut. Original Ofentürchen, wie sie vor 150 Jahren gebräuchlich waren, ließ er bei einer Thüringer Firma fertigen. Die Eisenplatten stellte die Schlosserei Eidt aus Bingen-Sponsheim her. Das auf der Feuerstelle eingelassene Waffeleisen und die Wäschemangel in der Ecke hinterlassen den Eindruck, als sei das Gesinde gerade am Wirken. Das alte steinerne Spülbecken und der ehemalige Steinbackofen aus dem Jahre 1830 wurden mit integriert.
Eine Vorratskammer gehört ebenfalls zur Küche. Sie beeindruckt durch ihren fünf Meter hoch gelegenen Luftabzug, der die Vorräte vor dem Eindringen von Ungeziefer schützte. Bestückt ist sie mit einem "Speckkarussell", einer hängenden Vorrichtung mit Haken zum Trocknen von Fleisch und Vorräten, einer Kartoffel- und Fischwaage, einem Butterfass und in Holzgestellen gesicherte große Glasbehälter.

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linie03.03.2007,
Bericht aus der "Allgemeinen Zeitung Bingen"

Neue Stützmauern sichern Hang
Zweite Phase der Sanierung des Zuwegs auf Burg Rheinstein bis Anfang April abgeschlossen.

TRECHTINGSHAUSEN Baustelle pur, diesen Eindruck könnte der Betrachter am Fuß Burg Rheinsteins im ersten Moment haben, wenn er die Baustellenfahrzeuge, Zäune und Arbeiter in ihren orangen Drillichanzügen sieht. Der Parkplatz ist vollgestellt mit mit Arbeitsmaterial, der Burgweg größtenteils weggefräst und der Hang glänzt in feuchtem Erdbraun.

Während in den drei Jahrzehnten die Instandsetzung der Burg und der Burganlagen im Vordergrund stand, ist nun der Zuweg zur Burg zum Hauptanliegen geworden. Bis Anfang April soll die zweite Bauphase abgeschlossen sein, hofft Burgherr Markus Hecher. "Es geht voran, und wir sind im Zeitplan" erklärt er. Nachdem der Burgweg unterhalb des Gemäuers durch ein schweres Unwetter im Winter 2001 abgesackt und auf fast 30 Metern komplett durch einen Holzsteg überbrückt werden musste, verläuft die Absicherung des Hangs und der Neuaufbau des Weges planmäßig.

"Der erste Bauabschnitt direkt unterhalb der Burg konnte im letzten Jahr abgeschlossen werden, allerdings nutzt es wenig den Hang oben zu befestigen und am Fuß nichts zu machen", erläutert Architekt Michael Müller, der Vorstandsmitglied des Fördervereins Burg Rheinstein ist und die Sanierungsmaßnahmen begleitet. "Eigentlich haben wir hier einen Felstrichter, der seit Jahrhunderten wie eine Müllhalde nach und nach aufgeschüttet wurde und durch und durch von Löchern und Rinnen durchzogen ist."So sei es nicht verwunderlich gewesen als 2001 Wasser und Witterung die Natursteinmauer im oberen Drittel des Burgstiegs den Berghang hinab drückten "Dabei war dieser Mauerabschnitt erst vor 14 Jahren saniert worden", wirft Markus Hecher ein. Aber auch der ortstypische Bewuchs mit Robinien und anderen Hölzern hätten zur Erosion beigetragen, schildert Müller: "Gemeinhin glaubt man, dass der Bodenbewuchs einen Berg stets festigt, aber diese Hölzer haben mit ihren Wurzeln einfach weitere Löcher in das poröse Erdreich gesprengt, durch die dann Wasser eindringen konnte."

Ein Problem mit dem die Tiefbauspezialisten, die die hangseitige Absicherung des neuen Burgweges machen, immer noch kämpfen. "Als wir oben anfingen und Betonemulsionen in die Bohrlöcher gossen, lief ein Teil am Fuß des Bergs wieder heraus", erinnert sich Vorarbeiter Christian Lorenz. In den letzten Wochen haben die Männer in ihren orangen Overalls begonnen bis zum Fuß des Hangs auf der Rheinseite des Burgweges anderthalb Quadratmetergroße Erdbetonbalken zu setzen und mit bis zu zwölf Meter langen Stahlankern im Fels zu verschrauben. Inzwischen ist ihre Arbeit soweit fortgeschritten, dass sie die Abstände für die 20 Zentimeter hohen verzinkten Randbbleche ausmessen können.

"Wenn die Firma Sidla und Schöneberger in rund 14 Tagen ihre Arbeit beendet, wird das lockere Erdreich entlang der alten Stützmauern großflächig ersetzt", sagt Architekt Müller. Für die Absicherung des Berges werden Gabionen, Natursteinmauern eingefasst von Stahlmattenzäunen, in die Böschung eingesetzt. Eine Firma aus Rheindiebach wird diese vor Ort als neue Stützmauern bis zu zwei Meter in den Berghang einsetzen.

"Das Problem ist einfach, dass die Körbe nicht einfach angeliefert werden können und vom Tieflader eingebaut werden können", erklärt Hecher. Die Böschung zwischen den Stützmauern wird mit einer Spritzbegrünung versehen, so dass der Regen das Erdreich nicht abträgt. Dennoch rechnet der Burgherr fest damit, dass das Osterwochenende voll touristisch nutzbar sein wird.

Da am Weg direkt in dieser Bauphase dann nichts mehr zu machen sein wird, würde der Zugang zur Burg mit Schotter aufgefüllt und verdichtet und mit einer wassergebundenen Decke versehen, erläutert der Architekt. Die endgültige Oberfläche des Weges wird dann im abschließenden Bauabschnitt, Anfang 2008, gemacht.

"Die ganze Baumaßnahme kostet rund 900000 Euro", weiß Burgherr Hecher. Allerdings könnten 70 Prozent durch Fördergelder abgedeckt werden - doch ein Eigenanteil von zehn sowie die einzubringende Eigenleistung von 20 Prozent sind für den Förderverein ein guter Batzen.

Von Sascha Saueressig




18.05.2005
, Regionalnachrichten aus Ihrer Zeitung

Kostbarkeiten für die Burg
TRECHTINGSHAUSEN Die Burg Rheinstein, im 14. Jahrhundert erbaut, ist um einige Schätze reicher. Der Binger Dekan Norbert Sittel hat dem Verein "Freunde der Burg Rheinstein" eine Reihe von wertvollen sakralen Antiquitäten, Bücher und Faksimiles als Schenkung übergeben.

“Der Dekan wollte seine Schätze der Öffentlichkeit zugänglich machen", erklärt Burgherr Markus Hecher, während er den Gast durch die Anlage führt. Was da in der Kapelle, im Rittersaal, in der Prinzessinnen- und der Prinzenetage ausgestellt ist, sind Schmuckstücke, bibliophile Kostbarkeiten, Raritäten. Vor allem historische und kunstgeschichtlich interessierte Besucher werden ihre Freude an der Ausstellung haben, die sich vornehmlich im Wohnturm befindet.
Natürlich sind viele der ausgestellten Dokumente wie die Kupferbibel von Matthäus Merian aus dem Jahre 1630, die so genannte "Straflburger Bibel" oder die "Schätze der Bayrischen Staatsbibliothek" mit Beispielen der Buchmalerei vom 9. bis zum 16. Jahrhundert, die im Rittersaal zu sehen sind, keine Originale. Aber ihr Informationswert ist genau so hoch, und schön anzusehen sind sie allemal.
In der Prinzessinnenetage stellt Markus Hecher unter anderem zwei Faksimile-Gebetsbücher von Kurfürst Maximilian I. von Bayern und "Die Stundenbücher" aus, Beispiele grofler Buchmalerei des europäischen Mittelalters.
Die Prinzenetage, erst seit dem vergangenen Jahr wieder zugänglich, zeigt unter anderem die Weltkarte des Andreas Walsperger aus der Zeit vor ¸ber 500 Jahren, die dem mönchischen Bild der damaligen Welt entspricht. Das Original befindet sich in den Vatikanischen Bibliotheken. Im ehemaligen Schreibzimmer Friedrichs von Preußen befinden sich die Faksimiles von drei Bildern der Evangelisten Matthäus, Johannes und Lukas aus dem Krönungsevangeliar in Aachen Ende des achten Jahrhunderts.
So sehr sich Markus Hecher auch ¸ber die Schenkung freut: Sie bringt auch Probleme. Eine Alarmanlage hat er schon einbauen lassen. Vorkehrungen gegen Kälte und Feuchtigkeit im Winter müssen getroffen werden. Und dann ist die Sammlung des Dekans so umfangreich, dass der Platz in der Burg dafür schon eng wird: "Vielleicht machen wir Wechselausstellungen", überlegt Burgherr Hecher, der quasi über Nacht nun auch zu einer Art Museumsdirektor geworden ist.

Von Gerhard Wieseotte



04.02.2004
, Pressemitteilung

Neuer schriftlicher Führer über Burg Rheinstein
Vorstellung des neuen Burgenführers zur Burg Rheinstein (Trechtingshausen/Kreis Mainz-Bingen)
Am 22.01.2004 wurde auf Burg Rheinstein der neue Burgenführer aus dem Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, vorgestellt. Nach der Begrüßung der Pressevertreter stellte Markus Hecher, der Eigentümer von Burg Rheinstein, im Rittersaal, Herrn Dr. Joachim Glatz vom Landesamt für Denkmalpflege vor, der gemeinsam mit seiner Frau Ulrike den Text des Führers verfasst hat. Anwesend war auch Herr Architekt Michael Müller, der seit vielen Jahren die Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten auf der Burg betreut.
Herr Hecher präsentierte die Burg, schilderte ihre Rolle im Tourismus und erläuterte das gegenwärtige Nutzungskonzept: Besichtigung und Gastronomie. Ein besonderer Erfolg seien die Abendführungen bei Dunkelheit. Burg Rheinstein hat entgegen dem allgemeinen Trend seine Besucherzahlen auch 2003 noch steigern können.

Anschließend erläuterte Dr. Joachim Glatz die Broschüre:

Auf eine historische Einleitung und die Beschreibung der Burganlage folgt die Schilderung der Räume mit ihrer Ausstattung in Form eines Rundgangs, da die Besucher von Burg Rheinstein die Burg auf eigene Faust erkunden dürfen. Eine kurze Zeittafel am Ende des Führers gibt einen Überblick über die Geschichte. Es folgen Literaturhinweise und zur Orientierung Lagepläne der verschiedenen Geschosse der Burg. Wie Herr Hecher ausführte, soll auch ein Orientierungs- und Leitsystem für die Burg entwickelt werden.

Burg Rheinstein entstand im frühen 14. Jahrhundert als Mainzer Zollburg unter Erzbischof Peter von Aspelt. Die Burg, eine kleine Spornburg aus dreigeschossigem Wohnturm und umgebenden Zwinger, war dann im 17./18. Jahrhundert bedeutungslos geworden und verfiel allmählich. Es kam jedoch niemals zu einer gewaltsamen Zerstörung.

Im frühen 19. Jahrhundert erwachte im Zuge der Rheinromantik das Interesse an den malerischen Burgruinen am Rhein. Hier war es besonders die preußische Königsfamilie, die sich der Ruinen annahm, diese kaufte und so vor weiterem Verfall bewahrte. Burg Rheinstein spielte in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Rolle, da es die erste Anlage war, die ausgebaut wurde. Bauherr war Prinz Friedrich von Preußen, der Vetter des Kronprinzen und späteren Königs Wilhelm IV. Ziel des Ausbaus war es, zum einen die Ruine zu erhalten und zum anderen die Burg wohnlich herzurichten, so dass sie als Sommeraufenthalt für die Familie dienen konnte. Der behutsame Ausbau erlaubt es noch heute, auch die Baugeschichte des Mittelalters anhand originaler Spuren zu erforschen. Jüngste Ergebnisse konnten in den Führer bereits einfließen.

Am Projekt „Rheinstein“ waren mehrere Architekten beteiligt. Erste Entwürfe stammten von Karl Friedrich Schinkel; den eigentlichen Ausbau betrieben Johann Claudius von Lassaulx und Wilhelm Kuhn, der letztlich für das heutige Erscheinungsbild der Burg verantwortlich ist.
Später, ab 1839, entstand nach Plänen des nassauischen Baumeisters Philipp Hoffmann außerhalb des alten Berings die neugotische Burgkapelle, in der Prinz Friedrich, seine Gattin und einer seiner Söhne bestattet wurden.

Von besonderer Bedeutung ist die Ausstattung der Burg Rheinstein, die Prinz Friedrich hierher brachte. Es handelt sich einmal um zahlreiche Glasfenster vom 14. – 19. Jahrhundert, welche von anderen Bauten stammten und in die ausgebaute Burg eingesetzt wurden. Weiter sind zu nennen zahlreiche Spolien (Bauteile), die ebenfalls von 1803 säkularisierten Kirchenbauten geborgen wurden. Hervorzuheben sind einige originale Kapitelle vom Kölner Dom, der zur Zeit des Ausbaus der Rheinstein noch nicht vollendet war. Aus einem Kölner Wohnhaus stammt der große Kamin im Rittersaal, der auf sehr feinen Reliefs die Sage des trojanischen Kriegs zeigt. Besonders aufwändig und qualitätvoll ist auch die wandfeste Ausstattung. Hier sind die Vertäfelungen, Türen, Beschläge und vor allem die illusionistischen Wandmalereien des Düsseldorfer Malers Ludwig Pose zu nennen.

Der Führer beschreibt alle Räume der Burg, auch die jetzt erst zugängliche Prinzenetage im obersten Geschoss des Wohnturms.

Burg Rheinstein ist über die mittelalterliche Baugestalt und den Ausbau sowie die Ausstattung hinaus von ganz besonderer Bedeutung als erstes Wiederaufbauprojekt am Rhein, dem in den folgenden Jahrzehnten so viele folgen sollten. Prinz Friedrich nutzte die Burg regelmäßig, veranstaltete hier Ritterspiele und ließ auch das gesamte Umfeld landschaftsgärtnerisch gestalten. 1842 entstand das Schweizer Haus oberhalb der Burg als Gästehaus.

Von Anfang an wurde die Burg für Reisende und andere Besucher geöffnet. Der erste gedruckte Burgführer, Werk eines Mainzer Domkapitulars, erschien bereits 1832. Somit ist Burg Rheinstein auch ein wichtiges Zeugnis innerhalb des Rheintourismus.

Der im Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, erschienene Burgführer gehört zur Reihe der „Kleinen Kunstführer“ und kann auf der Burg (Preis:3,00€) erworben werden. Er soll es dem Besucher erleichtern, Burg Rheinstein kennen und lieben zu lernen.



18.02.2002

"Immer wieder schlaflose Nächte"

Markus Hecher erlebt als Hausherr auf Burg Rheinstein mehr Sorgen als Romantik.
Trechtingshausen (ddp-swe). Wo der Rhein bei Bingen einen Bogen macht, da liegt Burg Rheinstein. Hoch über dem 1000-Seelen-Ort Trechtingshausen erhebt sie sich mit der kleinen Kapelle davor als Sinnbild der Rheinromantik. Kaum ein Tourist tritt ohne dieses Foto seinen Heimweg an. Die alltäglichen Sorgen des Hausherrn haben auf diesen Bildern keinen Platz. Romantisch findet Markus Hecher am Leben hinter alten Mauern allenfalls die Kulisse. Burgherr, das ist ein Fulltimejob mit hohem finanziellen Risiko.

Von ddp-Korrespondent Martin Gutheil

An diesem Tag ist der Himmel tatsächlich so blau wie auf den Postkarten. Doch die Sonnenstrahlen bringen erst recht an den Tag, was dem Besitzer der mehr als 800 Jahre alten Burg «immer wieder schaflose Nächte» bereitet. Am steilen Anstieg zum großen Tor ist eine Stützmauer weggebrochen, der halbe Hang kam ins Rutschen. Nach oben geht es seitdem über einen Holzsteg, bis der Schaden behoben ist. «Technisch kein Problem», sagt Hecher: «Aber die Finanzierung steht noch nicht.» 200 000 Euro würden ein riesiges Loch in die chronisch leere Kasse reißen, seit Monaten verhandelt er mit dem Land um einen Zuschuss.

Dabei klappt die Zusammenarbeit mit den Behörden seit Jahren reibungslos. Denkmalpfleger gehen im Anwesen des 42-Jährigen ein und aus, das Mainzer Institut für Steinkonservierung hat die romantische Burg als lohnendes Forschungsobjekt entdeckt und gearbeitet wird an irgend einer Stelle immer. Seit einer Woche steht wieder ein Gerüst, bald sollen die Handwerker kommen und an der Mauer zwischen den beiden Türmen die Fugen abdichten. «Wenn Wasser eindringt, das ist das größte Problem», sagt der Burgherr. Ist die Außenhaut erst einmal dicht, wartet innen viel Arbeit.

Einiges ist schon getan, im Rittersaal mit den wertvollen, bunten bleiverglasten Fenstern aus dem 15. Jahrhundert sind Wand- und Deckengemälde restauriert. Dennoch, zufrieden ist der Hausherr nicht.
«Mit der Gastronomiebestuhlung gibt das kein Bild», sagt er. Im Lauf der Zeit hat er gelernt, die wirtschaftlich wichtigen Kompromisse zu schließen. Veranstaltungen gehören neben der Vermietung eines Appartements und einer kleinen Wohnung dazu. Noch, denn Hecher arbeitet zusammen mit Fachleuten an einem neuen Konzept, das mehr auf die Geschichte und den musealen Charakter des Ortes setzt.

Auf Burg Rheinstein kam Hecher, als er 16 war. Damals kaufte sein Vater das «reichlich verfallene Gemäuer» für 360 000 Mark. Die imposante Kulisse habe es dem früheren Opernsänger angetan, meint der Filius lachend. Außerdem sei sein Vater «regelrecht bekniet» worden, als er sich interessiert gezeigt habe. Sonst nämlich hätte das Haus Hohenzollern seinen Besitz 1975 an eine Sekte verkauft.

Erbaut wurde die Feste als Zollstätte des Erzbistums Mainz vermutlich im 10. Jahrhundert. Prinz Friedrich von Preußen baute ab 1823 auf den längst verlassenen Mauern ein romantisches Schloss auf
und nannte es Rheinstein. Er, seine Frau und sein Sohn fanden hier die letzte Ruhe: Ihre Sarkophage stehen bis heute in der Grabkammer unter der kleinen Kapelle. Die wurde 1998 komplett restauriert und bekam ein neues Dach. In Feinarbeit wurden Figuren und Verzierungen original wieder hergestellt.

Rund 50 000 Euro steuert die Familie jedes Jahr bei. Das Landesamt für Denkmalpflege leiste zu manchen Vorhaben «außergewöhnliche hohe Zuschüsse», betont Hecher. Und nun kommt auch Geld von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Richtig stolz ist er aber auf den Förderkreis mit seinen 500 Mitgliedern, «zwei davon in Japan». Die zahlen nicht nur fleißig Beitrag, sondern sind immer wieder für eine Überraschung gut. Sie sorgten unter anderem dafür, dass die Burg endlich wieder eine richtige Kanone hat. «Sogar mit Böllererlaubnis», sagt Hecher.



17.09.2001

"Offenes Buch der Baugeschichte"

Ministerpräsident Beck stattet der Burg einen Arbeitsbesuch ab
TRECHTINGSHAUSEN - "Wer hier oben ist und geht nicht als Freund weg, der kann nicht richtig schauen oder das Geschaute in sich aufnehmen", so das Resümee des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck am Ende seines Arbeitsbesuches im Rittersaal auf Burg Rheinstein. Während eines einstündigen Rundganges konnte sich der Landesvater ein Bild von den bisher durchgeführten und noch anstehenden Sanierungsarbeiten auf Burg Rheinstein machen, die man aufgrund ihrer Struktur als ein "offenes Buch der Baugeschichte" bezeichnen könnte.

Von Stefanie Kaminski
Neben mittelalterlichen Elemente finden sich auch zahlreiche romantisierende Bereiche aus dem 19. Jahrhundert wieder. Besonderes hat es mit der Burgkapelle auf sich, die im neogotischen Stil errichtet ist - in der Fassade sind Originalteile des Kölner Doms eingearbeitet. Ein Zeugnis, wie verquickt Geschichte sein kann.

Das Sorgenkind Weg
Unterstützt von Dr. Joachim Glatz vom Landesamt für Denkmalpflege und Michael Müller, betreuender Architekt, erläuterte Burgherr Markus Hecher die verschiedenen Bereiche der Burg. Fotomappen dokumentierten zusätzlich den Werdegang von Rheinstein in den letzten 25 Jahren.
Aktuelles Sorgenkind ist natürlich der Burgweg, der bei den starken Regengüssen schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Wolfgang Kollay, VG-Bürgermeister, wies den Ministerpräsidenten auf einen Zuschussantrag hin, der von der Ortsgemeinde und Verbandsgemeinde beim Land gestellt wurde. Denn allein, das ist dem Kommunalpolitiker klar, könne die Familie Hecher die Reparaturen nicht bezahlen. Kurt Beck versprach der Sache nachzugehen.

Großes Privatengagement
Sehr interessiert hörte er den Ausführungen Markus Hechers über die Geschichte der Burg, die seit 1975 auch die eigene Familiengeschichte ist, zu und konnte die Leidenschaft, mit der der Burgherr bei der Sache ist, spüren. "Wir wollen, dass sie sehen, dass auch von privater Seite etwas getan wird und wir nicht nur mit offener Hand da stehen und fordern", so Hecher zum Ministerpräsidenten. Ein Signal auf diesem Weg war sicherlich die Gründung des Vereins der Freunde der Burg Rheinstein vor 25 Jahren durch Hermann Hecher. Mit Stolz und Liebe spricht der Sohn vom Vater, der die Burg von Prinzessin Barbara von Hessen und Rhein, Herzogin von Mecklenburg, abkaufte. "Mein Vater hat dafür gesorgt, dass die Schale dieses Kulturgutes erhalten geblieben ist. Mein Ziel ist es nun, das Innere zu konservieren.

Respekt vor Einsatz

Respekt und Dankbarkeit drückte Kurt Beck der gesamten Familie Hecher aus, die sich mit großem Einsatz der Burg verschrieben hat. Auch dem Freundeskreis sprach er für die vielen Aktivitäten und Unterstützungen seinen Dank aus. Trotz seines engen Zeitplanes ließ es sich der Ministerpräsident nicht nehmen, hin und wieder einfach einmal inne zu halten, um den eindrucksvollen Blick von Burg Rheinstein ins Rheintal zu genießen, das auch an den etwas raueren und trüberen Tagen wie diesen seinen unvergleichlichen Charme für den Betrachter bereit hält. Mit leeren Händen verließ Kurt Beck die Burg allerdings nicht. Einen Rebstock des historischen Weinbergs kann er nun sein eigen nennen, den Markus Hecher ihm per Urkunde übereignete.

Eine besondere Werbung
Spontan wurde eine besonderes Konzept der Werbung beschlossen: Burg Rheinstein gibt jährlich - praktisch als Zehnt, für den Weinstock - zwölf Flaschen des Burgenweins nach Mainz. Diese werden dann unter Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten an ausgewählte Personen, beispielsweise aus der Wirtschaft, weitergegeben, um auf die Burg Rheinstein und ihre Historie entsprechend aufmerksam zu machen.



28.01.2001, Main-Rheiner

Zeitreise zurück ins Mittelalter
Knappen, Ritter und edle Fräuleins machten Station auf Burg Rheinstein/ 25 Jahre Förderkreis
Von Stefanie Kaminski

TRECHTINGSHAUSEN - Vier Schritte vor, zwei nach links, zwei nach rechts und wieder zurück, schließlich eine tiefe Verbeugung des Herren vor der „Frauwe“ lautet das Kommando des Ritters Burkhard von Hohenfels bei der Allemande im Halsgraben der Burg Rheinstein.

Eine Zeitreise zurück ins hohe Mittelalter konnten die Besucher am Wochenende auf der Burg Rheinstein (mit-)erleben. Knappen, Ritter, Burgfräuleins und Edelfrauen hatten die Burg hoch oben über den Rhein fest in der Hand, mischten sich unters Publikum und boten von Waffenübungen mit Speeren, Äxten und Schwertern im Burgundergarten über höfischen Tanz, bei dem auch die Gäste ihre Mittelaltertauglichkeit in Hinblick auf Ehrerbietung der „Frauwen“ gegenüber erproben konnten, bis hin zur Lehensverleihung an einen Ritter dar.

Selbst die Skepsis der Historikerin weicht Begeisterung, da die „Ritterschaft von Konstanz“, ein Düsseldorfer Verein, der die Gebräuche und Sitten des Mittelalters pflegen und erhalten will, nicht dem allseits verbreiteten Bild vom dunklen und rohen Mittelalter noch Nahrung gibt. Vielmehr versuchen die Ritter und Burgfrauen rund um den Vorsitzenden Dirk Bratz die schillernde Vielfältigkeit dieser Zeit dem Publikum nahe zu bringen.

Das sonnige Wetter und das fast mediterrane Flair - riesige Oleanderbüsche, rankende Weinreben und eine Vielzahl an Blumen im Burgbereich - taten ein Übriges für das Wohlbefinden der Besucher. Schnell war der eher beschwerliche Weg hin zur Burg vergessen.

Auf dem Weg nach oben konnte man sich jedoch gleich ein recht deutliches Bild davon machen, mit welchen Aufgaben ein Burgherr zu kämpfen hat. Denn durch den Regen im Frühjahr ist der Burgweg schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Wiederherstellung des Weges ist eines der nächsten Projekte, das die Familie Hecher im Rahmen der Burgerhaltung in Angriff nehmen muss. Der Burgzoll, den man oben am Ziel angekommen zu entrichten hatte, hielt sich, angesichts von Programm und Atmosphäre, in Grenzen.

Der Förderkreis der Freunde der Burg Rheinstein hatte anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums in Zusammenarbeit mit der „Ritterschaft zu Konstanz“ zu diesem mittelalterlichen Fest eingeladen. Markus Hecher, der die Burg gemeinsam mit seiner Familie bewirtschaftet, gewährte einen Blick in die Vereinschronik. Sein Vater, Hermann Hecher, hatte den Förderkreis ein Jahr, nachdem er die Burg erworben hatte, ins Leben gerufen. „Mein Vater hatte zwei Gründe, die ihn zu diesem Schritt bewogen, da es für eine Familie allein nicht machbar ist, so eine Burg zu erhalten“, schildert der Burgherr. Zum einen war es das Ziel, eine Interessensgemeinschaft zu finden, die die Burg unterstützen will, zum anderen sollte diese Vereinsgründung den öffentlichen Trägern dokumentieren, dass sich auf Burg Rheinstein etwas tut. Das hat in den letzten 25 Jahren gut funktioniert“, resümiert Hecher.

Mittlerweile zählt der Förderkreis rund 500 Mitglieder, die im ganzen Bundesgebiet zu finden sind. Die Begeisterung, dass es Leute gibt, die so ein Kulturgut erhalten wollen und die Anerkennung des Idealismus der Familie Hecher sind wohl die Hauptbeweggründe für die meisten Mitglieder, den Verein zu unterstützen.

Die „Ritterschaft zu Konstanz“ hatte sich an diesem Wochenende auch ganz in den Dienst der Burg Rheinstein gestellt, denn sie verzichtete zu Gunsten des alten Kulturdenkmals und um die Leistungen der Familie Hecher zu würdigen, auf ihre Gage.

Der mit allen Wassern der höfischen Minne gewaschene Ritter Burkhard von Hohenfels (der Vortänzer bei der Allemande) entpuppt sich übrigens, wenn er denn aus dem 13. Jahrhundert in das 21. zurückkehrt, als Dirk Bratz, Vorsitzender der Konstanzer Ritter. Seinen Beruf in der Gegenwart könnte man, wenn man die Fantasie ein wenig spielen lässt, auch mit einer Art von Rittern in Verbindung bringen. Er ist Finanzbeamter.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Denkmalpfleger Dr.
Joachim Glatz, Fliesenmeister Michael Choquet, Architekt Michael Müller und Burgherr Markus Hecher freuen sich über die sanierte historische Küche auf Burg Rheinstein.


Foto: hbz/Stefan Sämmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die zweite Sanierungs-phase des Zugangs auf Burg Rheinstein verläuft planmäßig.
Vorarbeiter Christian Lorenz und Erwin Köck (rechts) messen am Hang die Abstände für das Einsetzen der verzinkten Randbohlen aus.

Foto: hbz / Kristina Schäfer
 
 








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